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Eiskalt:
Aber mit Leidenschaft
 
     
 
Auch ohne die faszinierenden und zahlreichen Etappen aufzuführen, die “gelato” auf unsere Speisekarte gebracht haben, lässt sich sagen, dass das Sorbet (aus dem Arabischen shrb, Sirup – Zucker- oder Honigsirup) sicherlich auf Sizilien und in Neapel weiterentwickelt wurde. Das “moderne” Speiseeis jedoch aus Milch, Honig oder Zucker und Aromastoffen ist vermutlich im Florenz der Medici, im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts, von einem gewissen Ruggeri auf den Weg gebracht worden. So bietet der toskanische Architekt Bernardo Buontalenti zwischen dem Ende des 16. und dem 17. Jahrhundert anlässlich eines spanischen Delegationsbesuchs ein großartiges Eis aus Eiercreme zum Abendessen an (vermutlich die Nachbildung eines riesigen Straußeneis), und zwar mit der Absicht, die Spanier zu verblüffen. Von da an erhält das Speiseeis eine vorrangige Stellung auf den einflussreichsten Tafeln. Die wenigen vorhandenen Eiskonditoren werden hoch gehandelt und sorgen für gehörigen Wetteifer unter den Mächtigen. In Italien entstehen im Bereich der Haute Cuisine verschiedene Auffassungen zum Thema Speiseeis.
 

Mit dem Sizilianer Procopio de' Coltelli, der 1686 in Paris “Le Procope” eröffnet, bahnt sich das Speiseeis den Weg aus dem höfischen Ambiente und wird zum ersten Mal auch weniger adeligen, jedoch sehr viel interessanteren Gaumen zugänglich gemacht. Bietet er doch an den Tischchen seines Cafés, die von den geistreichsten Köpfen der damaligen Zeit besetzt werden, Erdbeer-, Jasmin- und Rosensorbets an. Das heute noch bestehende Lokal wird und bleibt für viele Jahre ein unverzichtbarer Treffpunkt für Intellektuelle und Künstler wie die Enzyklopädisten, Voltaire, Montesquieu, Molière, Balzac. Die sizilianische Genialität eröffnet dem Speiseeis eine Zukunft, die in den folgenden Jahrhunderten einen Erfolg jenseits aller Vorahnungen verzeichnet.